Gesetze haben sich überlebt

Unverheiratete, getrennte und geschiedene Eltern sollen das Sorgerecht gemeinsam tragen. In der Bundesverfassung ist dies zwar bereits im Artikel 8 so vorgesehen, so steht, dass das Gesetz (Zivilgesetzbuch ZGB) für die Gleichstellung von Mann und Frau in der Familie zu sorgen habe. Der Auftrag an den Gesetzgeber wäre klar; deutlicher und unmissverständlicher kann man eigentlich einen Satz nicht formulieren. Wieso wird also das Gesetz nicht angepasst?
Wir haben eine Scheidungsrate von fast 45 %, mehr als 30 % aller Kinder stammen von unverheirateten Eltern. Die heutigen Gesetze basieren auf einer Lebensweise, die längst nicht mehr gelebt wird. In Deutschland und Frankreich kennt man das gemeinsame Sorgerecht schon seit Jahren.
Vater und Mutter bilden den Begriff "Eltern", auch wenn das Gesetz und die Behörden uns weismachen wollen, dass nur die Mutter ein wichtiger Elternteil ist. Denn gerade durch das gemeinsame Sorgerecht hätten gute Väter und gute Mütter die Möglichkeit, gemeinsam gute Eltern zu sein. Schlechte Väter würden weiterhin darauf verzichten, und schlechte Mütter könnten den guten Vätern nicht im Schutze der Vormundschaftsbehörden die Kinder vorenthalten. Müssen die Kinder weiterhin die Verlierer sein? Wie soll die junge Generation ermutigt werden, Kinder zu haben, den Frauen ermöglicht werden, berufliche Karriere zu machen, die Männer motiviert werden, einen grösseren Anteil an der Betreuung der Kinder zu übernehmen, im Haushalt mitzuarbeiten - eben gemeinsam für die Kinder zu sorgen?

Erik Krajger, Zollikofen