Trauer kann nicht stattfinden

> Eine Kollegin von mir hat kürzlich eine weitere Fehlgeburt erlitten. Sie
> trauert um das verlorene Kind und durchlebt eine schwere Krise - liegt
> krank im Bett, ist psychisch angeschlagen, weint öfters und kann nicht
> klar denken, noch arbeiten. Der Verlust macht ihr schwer zu schaffen.
>
> Die tiefe Traurigkeit der Kollegin kann ich sehr gut nachvollziehen,
> obwohl ich selbst keine Kinder abtreiben musste oder einen Abort gehabt
> hätte. Dennoch,........
>
> Jedes Mal, wenn einem Vater oder Mutter das Besuchs- und Obhutsrecht
> verweigert oder streitig gemacht wird, Vereinbarungen nicht eingehalten
> sowie möglichst viele Hindernisse in den Weg gestellt werden, durchleben
> Eltern ähnliche, wenn nicht die gleichen Gefühle. Der immer wieder
> aufflammende Konflikt ist eine andauernde psychische Folter für alle
> Beteiligten.
>
> Die Angst seine Kinder zu verlieren kommt bei dem einen oder anderem
> Elternteil auf. Dies kommt einer künstlichen Abtreibung (Tod) gleich, nur,
> dass die Kinder schon im fortgeschrittenem Alter sind und mit beiden
> Elternteilen stark verbunden. Im Gegensatz dazu darf ein
> Schwangerschaftsabbruch nur in den ersten Wochen durchgeführt werden. Die
> Folgen und Symptome können gleich sein.
>
> Kinder sterben somit weg, verschwinden grösstenteils von einem Tag auf den
> anderen vom Alltagsleben eines Elternteils. Wut, Enttäuschung, Ohnmacht,
> Gefühlstaubheit....ein Kreislauf der wechselhaften Gefühle kommt über den
> künstlich per Gesetz herbeigerufenen Tod der Kinder auf. Doch nicht nur
> die Eltern weinen, sondern auch die Kinder, diese möchten Mutter und Vater
> sehen.
>
> Ich frage mich, warum der gesunde Menschenverstand und unsere Gesellschaft
> mit der bestehenden Gesetzgebung nicht eine paritätische Elternschaft
> vorgibt und/oder unterstützt --- zum Wohle der Kinder und der Eltern!
>
> Kinder geht es besser, wenn beide Elternteile zufrieden sind! Emotionale
> und finanzielle Wracks nützen weder dem Staat, noch den Kindern - aber
> sicherlich der Scheidungsindustrie.
>
> Wie viele Schadenfälle muss diese Industrie noch produzieren, bevor ein
> totaler Kollaps stattfindet. Dort, wo mangelnder Menschenverstand und
> Habgier herrscht, moralische und ethische Grundwerte missachtet werden,
> droht ein Zusammenbruch. Der Hochmut und Ignoranz der Banken- und
> Finanzindustrie sollte uns eine Lehre sein!

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Antwort eines weiteren Vaters - der Unterschied ist nicht sehr
gross. Auch ich fühlte mich nach der Trennung von meinen Kindern genau so.
Ein Gefühl, als würde einem das Herz herausgerissen, aber nur so, dass man
gerade noch weiterleben kann.

Ich behaupte, die andauernde Entfremdung und Fernhaltung ist weit schlimmer
sogar noch, als der Tod eines Kindes. Stirbt ein Kind (egal ob bei
Fehlgeburt oder auch später) so ist das zwar unendlich tragisch, dennoch ist der
Mensch darauf ausgerichtet, mit solchen Schicksalschlägen umzugehen. Er lernt,
mit der Trauer umzugehen, er kann weiterleben.

Aus der Psychologie weiss man jedoch, dass Menschen, die einen nahen
Angehörigen vermissen, diese Gnade nicht erfahren. Bei ihnen bleibt die
Trauer auf dem höchsten Niveau, sie verharren in der Ungewissheit, können
sich nicht lösen und können deshalb nicht weiter leben. Sie werden zwar
weiterleben, aber sie können nicht weiter kommen, im Leben. Sie sind wie
festgenagelt auf dem Moment, an welchem die geliebte Person verschwand.
Und genau so geht es doch den Eltern, denen der Kontakt zum Kind verweigert
wird. Sie können nicht loslassen, weil sie genau wissen, dass ihr Kind noch
lebt. Wie sollten sie mit der Trauer fertig werden, wenn diese jeden Tag,
jede Woche neu aufflammt.