Es findet tausend Male statt...

 

Das wichtigste meiner Geschichte in Kürze

 

Ich habe eine wunderbare Tochter. Während der Ehe war ich an den Wochenenden immer für die Familie da. Tagsüber habe ich die Hauptmahlzeiten mit meiner Tochter eingenommen, war nach Arbeitsschluss bis zur Nachruhe für sie da. Ich habe meine Tochter während sechs Jahren fast ausnahmslos jeden Abend zu Bett gebracht. Mit zu Bett bringen meine ich, dass ich vor und nach dem gemeinsamen Nachtessen mit ihr gespiel habe oder sonst irgendwie mit ihr zusammen etwas unternommen habe. Ich habe dann geschaut, dass sie ihr Pyjama anzog, habe ihr die Zähne geputzt, wobei wir zwischendurch auch beim Zähneputzen Spass hatten, habe ihr Geschichten vorgelesen (oft Märchen, aber auch Geschichten, welche Werte vermitteln). Ich habe geschaut, dass meine Tochter nicht vergisst aufs WC zu gehen und dass sie noch etwas trinkt. Ein kurzes Nachtgebet gehörte für mich beim Insbettgehen dazu. An ihrem Bett sitzend sind wir dann den Tag durchgegangen und ich habe die letzten Gedanken vor ihrem Schlafengehen mit meiner Tochter geteilt. Meine Frau hatte kein grosses Interesse, sich so viel Zeit für unsere Tochter zu nehmen. Ein Gutenachtkuss war für sie genug. Sie wollte eher ihre Autorität beim Kind durchsetzen als die Erziehung als eine Begleitung des Kindes durchs Leben ansehen.

 

Am Tag x hiess es dann Trennung auf Wunsch meiner Frau, unsere Tochter wurde als persönliches Eigentum meiner Frau deklariert und mit Eheschutzvereinbarung und Scheidungskonvention wurden meine Tochter und ich auf ein gegenseitiges Besuchsrecht von vier Tagen pro Monat gesetzt, das ich minutiös einzuhalten habe. Den uns neuerdings trennenden geographischen Weg von einer Autostunde habe ausschliesslich ich auszuführen.

 

Aehnliche Geschichten wie diese spielen sich in unserem Land in tausendfacher Ausführung ab.

 

Wo leben wir? Braucht die Schweiz weiterhin Geschichten wie diejenige der Kinder der Landstrasse, der Verdingkinder und der fremdplazierten Kinder lediger Mütter? Wäre es jetzt nicht an der Zeit, die Interessen der Kinder durchzusetzen – ohne wenn und aber?